Rezension zu »Cruel Noblesse - Melodie der Rache«

Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde:

 »Cruel Noblesse - Melodie der Rache«  habe ich am Penguin-Stand auf der Leipziger Buchmesse entdeckt und bin sofort neugierig geworden. Ein sinnlich-düster-dramatisches Buch, das in Paris spielt? Das klang doch einfach perfekt für mich! Als ich es dann über das Bloggerportal zum Rezensieren bekam, habe ich mich total gefreut!

Handlungsüberblick:

Der Pariser Adel ist magiebegabt und Caspian de Morreau, der als Kind bei einem magischen Anschlag seine Familie verlor, will ihn vernichten. Wenn da doch nur nicht die schlagfertige Chansonsängerin Arianne wäre, die ihn so fasziniert...

Mein Bucheindruck:

Das Cover stimmt auf die edle und geheimnisvoll-düstere Atmosphäre des Buches und seinen Handlungschauplatz ein. Auf einer luxuriösen hellblauen Tapete hebt sich das  Pariser Sacré-Cœur ab, vor dem sich düsterer Rauch im Zusammenspiel mit dornigen Ranken, Rosenblüten und schwarzen Raben ausbreitet. Die erste  limitierte Auflage besitzt einen farbigen Buchschnitt, der die hellblaue Tapete weiterführt, und eine Charakterkarte auf deren Vorderseite Caspian und Arianne und auf deren Rückseite ein Zitat gedruckt sind, welche das Cover gut ergänzt. 

Mein Leseeindruck:

Da das Buch sehr gute Bewertungen aufweist, waren meine Erwartungen ziemlich hoch. Leider wurden sie aber enttäuscht. 

Die Idee mit den magischen Adligen in Paris war schön und hatte viel Potential, das aber in meinen Augen nicht ausgeschöpft wurde. An manchen Stellen ging mir die Handlung viel zu schnell, an anderen war sie mir zu langatmig und die Figuren blieben für mich ungreifbar, wodurch es mir schwerfiel, das Buch zu beenden. Darüber hinaus hätte ich mir mehr Bühnenszenen von Arianne und detailliertere Beschreibungen von Pariser Schauplätzen, edlen Gemächern oder Kleidern gewünscht, um den altertümlichen, adeligen Paris-Flair mehr zum Leben zu erwecken. 

Auch, dass das Buch mit den Worten "Sinnlich, düster, dramatisch" beworben wurde, passte für mich nur zu zu 66% Prozent. Als sinnlich empfand ich es nicht. Ich hätte mir sehr viel mehr Tension, aufgeladene Dialoge, Kussszenen und Sexszenen gewünscht. 

Darüber hinaus hatte ich mir auch einen altertümlicheren, poetischeren Schreibstil erhofft. 
In Bezug auf den Schreibstil erschienen mir auch manche Formulierungen seltsam. Am merkwürdigsten fand ich "Er schmälerte verärgert die Lider." (S. 28) Ich verstehe zwar, was die Autorin sagen möchte, bezweifle aber stark, dass das körperlich möglich ist. 

Leider wurde für mich auch deutlich, dass weder die Autorin, noch die lektorierende Person über Französisch-Kenntnisse verfügt, was bei dem Buch wirklich hilfreich gewesen wäre. Bereits der Titel ist grammatikalisch nicht korrekt. Im Französischen werden Adjektive eher hinter das Nomen gestellt, nur bei wenigen Adjektiven ist ein nach vorne stellen möglich. Bei dem verwendeten Adjektiv ist zwar eine Voranstellung möglich, allerdings hätte das Adjektiv an das Nomen angepasst werden müssen. Da "noblesse" feminin ist, hätte auch die feminine Form des Adjektivs verwendet werden müssen. Also "cruelle" anstatt "cruel". 

Zudem gab es im Buch einige Ungereimtheiten. So ist das Wort Palais im Deutschen sächlich und nicht männlich und das Wort "conseil" im Französischen männlich, weswegen es auch im Deutschen mit dem maskulinen Artikel versehen werden sollte. Beide Wörter tauchen im Buch sehr oft auf, was mich als Französischstudierende wirklich gestört hat. Auch würde in Frankreich kein Cabaret "La Chatte d'Or" heißen, da das Wort "chatte" wirklich sehr vulgär ist und für das weibliche Geschlechtsorgan verwendet wird. 

Wenn man ein Buch über Paris schreibt, sollten in meinen Augen genau solche Feinheiten stimmen, um nicht den Vibe zu zerstören. 

Mein Abschlussfazit:

Ein*e Lektor*in mit Französisch-Kenntnissen hätte »Cruel Noblesse - Melodie der Rache«  den Paris-Zauber bewahrt. 




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